Queen of Swords


Romantasy gehört längst zu den beliebtesten Spielarten moderner Fantasy. Magische Welten, geheimnisvolle Orte, verbotene Gefühle und eine Heldin, die mehr über ihre eigene Herkunft herausfinden muss, als ihr zunächst bewusst ist – viele dieser Zutaten sind mittlerweile bestens bekannt. „Queen of Swords“ von Sara Sehdev und Gareth Moore versucht jedoch, dem bekannten Konzept einen ungewöhnlichen Kniff zu verleihen: Die Geschichte wird immer wieder durch Rätsel unterbrochen, die Leserinnen und Leser selbst lösen können.
Insgesamt warten 30 unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Geschichte. Damit ist „Queen of Swords“ nicht einfach nur ein Roman, sondern eine Mischung aus Romantasy und Rätselbuch. Ein interessantes Experiment, das tatsächlich für ein anderes Lesegefühl sorgt – auch wenn die Kombination nicht an jeder Stelle gleichermaßen gut funktioniert.
Eine Welt hinter dem Divide
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die zwanzigjährige Penryn Trickett. Ihr bisheriges Leben spielt sich in der menschlichen Stadt Dalmorgan ab, doch auf der anderen Seite des sogenannten Divide befindet sich eine geheimnisvolle Welt, die für Menschen eigentlich unerreichbar ist.
Als Penryn schließlich die Grenze überwindet, landet sie in den Wyldes – einer magischen Welt voller Fae, Zentauren, Meermenschen und anderer fantastischer Wesen. Dort begegnet sie Rafrael, einem ebenso geheimnisvollen wie attraktiven Fae, der für Penryn zunächst alles andere als ein vertrauenswürdiger Begleiter ist.
Schon bald häufen sich allerdings die Fragen. Warum kann Penryn die Sprache dieser Welt lesen? Was hat es mit dem Schmuckstück auf sich, das sie von ihrer verstorbenen Mutter erhalten hat? Und warum trägt dieses ausgerechnet das Symbol eines der bedeutenden Häuser der Wyldes?
Aus der Reise in eine unbekannte Welt entwickelt sich damit gleichzeitig die Suche nach Penryns eigener Herkunft.
Bekannte Romantasy-Zutaten
Wer bereits mehrere Romantasy-Romane gelesen hat, wird sich bei „Queen of Swords“ schnell heimisch fühlen. Eine junge Frau mit geheimnisvoller Vergangenheit trifft auf einen gefährlich wirkenden, attraktiven Fae. Beide geraten gemeinsam in Schwierigkeiten und müssen sich trotz anfänglicher Spannungen zunehmend aufeinander verlassen.
Dazu gesellen sich zahlreiche bekannte Genre-Elemente: gefährliche Kreaturen, große Häuser, verborgene Abstammungen, magische Geheimnisse und natürlich die sich entwickelnde Beziehung zwischen Penryn und Raf.
30 Rätsel mitten in der Geschichte
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal sind aber die insgesamt 30 Rätsel, die Gareth Moore für das Buch entwickelt hat. Dabei reicht die Bandbreite von Codes und Logikaufgaben bis zu Labyrinthen, Wort- und Bilderrätseln. Die Lösungen sind mit der Geschichte verbunden, ausführlichere Erklärungen finden sich zusätzlich am Ende des Buches.

Die Idee funktioniert überraschend gut, wenn man sich bewusst auf dieses ungewöhnliche Konzept einlässt. Statt einfach ein Kapitel nach dem anderen zu lesen, muss das Buch immer wieder zur Seite gelegt beziehungsweise genauer betrachtet werden. Man beschäftigt sich dadurch aktiver mit Penryns Abenteuer und wird gewissermaßen selbst zu einem Mitglied ihrer Reisegruppe.
Besonders angenehm ist, dass die Rätsel nicht darauf ausgelegt sind, Leser über Stunden verzweifeln zu lassen. Gareth Moore erklärte selbst, dass die Aufgaben zwar zum Nachdenken anregen, aber den Fortgang der Geschichte nicht dauerhaft blockieren sollen.
Nicht jedes Rätsel ist wirklich notwendig
Im Idealfall hätte eine falsche oder richtige Lösung möglicherweise größere Auswirkungen auf das Abenteuer gehabt. „Queen of Swords“ ist jedoch kein klassisches Spielbuch, bei dem Entscheidungen unterschiedliche Handlungswege eröffnen. Die Geschichte folgt weiterhin ihrem vorgegebenen Verlauf.
Damit entsteht manchmal das Gefühl, einen Roman zu lesen und zwischendurch einige Seiten eines Rätselbuches zu bearbeiten. Das macht durchaus Spaß, doch die beiden Bestandteile verschmelzen nicht immer vollständig miteinander.
Hier scheiden sich wahrscheinlich die Geister: Während einige gerade die Rätsel als erfrischende Abwechslung hervorheben werden, könnten andere kritisieren, dass sie für die eigentliche Handlung zu wenig Bedeutung besitzen.
Zwischen Jugendbuch und erwachsener Romantasy
Etwas ungewöhnlich wirkt zudem die Frage nach der eigentlichen Zielgruppe. Die zugängliche Geschichte, die relativ einfachen Rätsel und das schnelle Erzähltempo erinnern stellenweise an ein Jugendbuch.
Gleichzeitig beinhaltet der Roman deutlich erwachsenere romantische beziehungsweise sexuelle Inhalte. Dadurch sitzt „Queen of Swords“ ein wenig zwischen den Stühlen. Für erfahrene Romantasy-Leser könnte die Geschichte zu oberflächlich bleiben, während das Buch aufgrund seiner erwachsenen Inhalte gleichzeitig nicht ohne Weiteres als Rätsel-Fantasy für ein jüngeres Publikum funktioniert.
Wer dagegen genau diese Kombination sucht und sich nicht an bekannten Romantasy-Tropes stört, bekommt ein ungewöhnliches und kurzweiliges Leseerlebnis.
Die Idee ist stärker als die Geschichte
Das vielleicht größte Kompliment an „Queen of Swords“ ist deshalb gleichzeitig auch seine größte Schwäche: Das Konzept bleibt stärker in Erinnerung als die eigentliche Handlung.
Romantasy und Rätsel miteinander zu verbinden, ist eine fantastische Idee. Plötzlich wird aus passivem Lesen eine interaktive Beschäftigung. Man nimmt einen Stift zur Hand, untersucht Hinweise und versucht gemeinsam mit den Figuren, eine Lösung zu finden.
Die Geschichte rund um Penryn und Raf kann mit dieser Kreativität jedoch nicht vollständig mithalten. Sie ist unterhaltsam, temporeich und problemlos lesbar, verlässt sich aber sehr stark auf bereits bekannte Elemente des Genres.
Gerade deshalb wäre es interessant zu sehen, was mit diesem Konzept in einem umfangreicheren Nachfolger möglich wäre. Mehr Seiten, komplexere Rätsel, stärkere Auswirkungen der Lösungen und ein ausführlicheres Worldbuilding könnten aus der ungewöhnlichen Grundidee etwas wirklich Besonderes machen.

Originelle Rätselidee trifft bekannte Fantasy-Pfade |





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