Hamburg Chinatown
- Jana

- 24. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Schon gewusst? In Hamburg gab es vor vielen Jahren ein Chinesenviertel, auch Chinatown oder Chinesenkolonie genannt. Es befand sich rund um die Schmuckstraße, also im Grenzgebiet zwischen St. Pauli und Altona. Bis 1944 war dies ein Viertel, das vor allem chinesische Seeleute, Geschäftsleute und Migranten anzog. Doch dann haben die Nationalsozialisten unter der Leitung des Gestapo während der sogenannten „Chinesenaktion“ das Gebiet räumen lassen und über 100 Chinesen verhaftet. Eines der letzten Relikte dieser Zeit ist die heute noch existierende Hongkong Bar am Hamburger Berg.
Ein Roman, der Geschichte lebendig macht
Aber nun zum eigentlichen Thema: Das im Gmeiner Verlag erschienene Buch „Hamburg Chinatown“ spielt in eben dieser Zeit, in der es in Hamburg noch ein Chinesenviertel gegeben hat. Anette Strohmayer und Eric Niemann haben sich zusammengetan, um einen spannenden, atmosphärischen Roman zu schreiben, der seine Leser tief in die verborgenen Schichten der Hansestadt entführt.
Verknüpfte Lebenswege im Schatten der Unterwelt
Die Handlung folgt mehreren Figuren, deren Wege sich nach und nach kreuzen. Im Mittelpunkt steht der Polizist Peder Hansen, der noch immer mit dem grausamen Tod seines Bruders ringt. Zwei Jahre nach dem Mord stößt er erneut auf Spuren, die ihn tief in die Unterwelt führen – dorthin, wo Macht, Angst und Schweigen den Alltag bestimmen.Parallel dazu reist der chinesische Auftragsmörder Li Lim aus Shanghai nach Hamburg. Sein Auftrag wirkt zunächst klar, doch je näher er der Stadt und ihren Menschen kommt, desto mehr verschwimmen für ihn Loyalität und Pflicht. Gleichzeitig versucht die junge Reederstochter Tessa Möller, sich aus den strengen Erwartungen ihrer wohlhabenden Familie zu befreien. Auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben gerät sie unweigerlich in Kreise, die sie eigentlich meiden sollte.
Atmosphäre zwischen Realität und Mythos
Strohmayer und Niemann gelingt es, eine Umgebung zu erschaffen, die gleichzeitig realistisch wirkt und etwas Mythisches in sich trägt. Das „Chinatown“ Hamburgs wird im Buch zu einem lebendigen Schauplatz, der von Gerüchen, Stimmen und verborgenen Geschichten pulsiert. Die Beschreibungen sind bildhaft, ohne ins Klischee abzurutschen.
Die Figuren tragen das Buch: Menschen zwischen Anpassung und Widerstand, Tradition und Moderne, Loyalität und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Besonders stark ist die Darstellung ihrer inneren Konflikte – die Autoren schaffen es, kulturelle Identität, Zugehörigkeit und Verlust feinfühlig herauszuarbeiten.
Spannung, die unter der Oberfläche brodelt
Obwohl das Buch kriminalistische Elemente enthält, steht nie die Action, sondern immer die Atmosphäre und das Menschliche im Vordergrund. Die Spannung entsteht leise, aber konstant, getragen von einem Gefühl, dass unter der Oberfläche der Stadt etwas brodelt.
Die Autorin Anette Strohmeyer bringt ein Faible für historisch-gediegene Thriller mit skandinavischem Einschlag mit, während der Autor Eric Niemann über Erfahrungen im Hörspiel, Theater und klassischem Kriminalroman verfügt – beide zusammen schaffen damit einen historischen Krimi mit starkem Ort- und Zeitbezug und ausgeprägter kriminalistischer Handlung.

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