Gar nicht lange her
- Jana

- 27. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Georg Markus gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten österreichischen Chronisten, wenn es darum geht, historische Ereignisse, kuriose Anekdoten und außergewöhnliche Lebensgeschichten lebendig und unterhaltsam aufzubereiten. Er versteht es wie kaum ein anderer, Geschichte „menscheln“ zu lassen. Statt trockener Fakten präsentiert er spannende, manchmal skurrile, oft berührende Geschichten – und vermittelt so ein Bild der Vergangenheit, das lebendig und nahbar wirkt.
Mit „Gar nicht lange her“ legt Markus erneut ein Werk vor, das genau diese Stärken bündelt: leichtfüßig erzählt, sorgfältig recherchiert und voller überraschender Einblicke in die Geschichte. Das Buch bietet eine Fülle an Erzählungen, die Zeitgeschichte für ein breites Publikum greifbar machen.
Episoden statt Chronologie – Markus’ bewährtes Erzählprinzip
Statt einer durchgehenden Erzählung präsentiert Markus – wie für ihn typisch – eine Sammlung von Episoden, die historische Personen, Begebenheiten und oftmals fast vergessene Momente miteinander verbinden. Er schreibt über bekannte Figuren aus Politik, Kultur und Gesellschaft ebenso wie über Menschen, die nur durch Zufälle oder außergewöhnliche Lebensumstände in die Geschichte eingegangen sind.
Gerade die abwechslungsreiche Mischung macht das Buch so reizvoll. Markus konzentriert sich auf Ereignisse, die im kollektiven Gedächtnis vieler Österreicher noch nachhallen. Dadurch entsteht beim Lesen das Gefühl, in einem Familienalbum zu blättern – voller lebendiger, oft überraschender Erzählungen.
Klar, elegant, pointiert – Der unverwechselbare Stil von Georg Markus
Markus beherrscht die Kunst, komplexe historische Hintergründe in klarer, leicht verständlicher Sprache aufzubereiten. Seine kurzen, pointierten Kapitel sind oft mit einem überraschenden Twist versehen. Hinter vielen Anekdoten verbirgt sich zudem ein ernster Kern: gesellschaftliche Entwicklungen, politische Umbrüche oder menschliche Schicksale, die er sensibel und dennoch unterhaltsam erzählt.
So berichtet er unter anderem vom plötzlichen Tod des Psychiaters Friedrich Hacker live im Fernsehen, von der erstaunlichen Persönlichkeit des kaiserlichen Kammerdieners Eugen Ketterl, von einem Besuch beim ältesten Mediziner Europas und von den österreichischen Passagieren, die an Bord der Titanic waren.
Journalistische Präzision trifft erzählerische Eleganz
Was Markus von vielen populärhistorischen Autoren unterscheidet, ist sein journalistischer Zugang: faktenreich, gründlich recherchiert und dennoch mit einer besonderen erzählerischen Eleganz. Man spürt, dass der Autor seit Jahrzehnten Archivmaterial, Zeitzeugengespräche und historische Dokumente studiert – und eine große Freude daran hat, vergessene Geschichten wieder ans Licht zu holen.
„Gar nicht lange her“ eignet sich sowohl zum Durchlesen als auch zum entspannten Zwischendurch-Schmökern. Jedes Kapitel steht für sich, trägt aber zugleich zum Gesamtbild einer österreichischen Vergangenheit bei, die nicht verstaubt wirkt, sondern überraschend lebendig bleibt.
Charmant, klug und voller Entdeckungen
Wer ein Faible für Geschichte hat, wird an diesem Buch große Freude haben. Aber auch Leserinnen und Leser, die einfach gut geschriebene, unterhaltsame Geschichten mögen, kommen auf ihre Kosten – gerade weil das Werk niemals belehrend wirkt, sondern zum entspannten Eintauchen einlädt.
Georg Markus liefert mit „Gar nicht lange her“ genau das, was man sich von ihm erwartet: ein charmantes, intelligentes und kurzweiliges Geschichtsbuch, das zeigt, wie faszinierend die jüngere Vergangenheit sein kann.

Eine klare Empfehlung für alle, die historische Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau schätzen. |
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