Bounty Trail (PC)

„Bounty Trail“ verfolgt einen angenehm ungewöhnlichen Ansatz. Statt uns in eine riesige 3D-Welt zu schicken, konzentriert sich das kleine RPG auf das Wesentliche: Kopfgeld suchen, Informationen sammeln, Ressourcen verwalten und den Gesuchten schließlich lebend oder tot zurückbringen.
Die Geschichte spielt im Jahr 1881. Unser Partner Edward Thorne hat einen Kredit über 10.000 Dollar aufgenommen und sich anschließend aus dem Staub gemacht. Nun liegt es an uns, die Schulden innerhalb weniger Monate durch Kopfgelder zu begleichen. Dafür stehen insgesamt 30 Ziele in fünf Gebieten zur Verfügung.
Weniger Action, mehr Planung
Das Spielprinzip ist schnell verstanden. Auf der Karte bewegen wir uns von Ort zu Ort, suchen nach Hinweisen und versuchen herauszufinden, wo sich unser Ziel aufhält. Dabei müssen wir unsere Energie im Auge behalten und rechtzeitig ein Lager aufschlagen.
Informationen sind besonders wichtig, denn je mehr wir über unser Ziel wissen, desto größer sind die Chancen, es zur Aufgabe zu bewegen. Alternativ können wir zur Waffe greifen und den klassischen Showdown suchen.
Gerade diese Entscheidung funktioniert gut. Eine lebende Gefangennahme bringt mehr Erfahrung und belohnt eine vorsichtigere Vorgehensweise, während die direkte Konfrontation schneller zum Ziel führen kann.
Schlicht, aber atmosphärisch
Optisch präsentiert sich „Bounty Trail“ mit minimalistischer Pixelgrafik aus der Vogelperspektive. Technisch ist das sicherlich keine beeindruckende Produktion, dafür passt der reduzierte Stil erstaunlich gut zum ruhigen Western-Charakter.
Auch musikalisch und atmosphärisch versucht das Spiel nicht, größer zu wirken, als es ist. Stattdessen entsteht eine angenehm entschleunigte Stimmung. Man reitet durch die Landschaft, sucht Hinweise und überlegt, wie viel Zeit man noch für die aktuelle Jagd investieren kann.
Schnell repetitiv
Die größte Schwäche liegt allerdings ebenfalls im reduzierten Konzept. Die einzelnen Kopfgeldjagden folgen grundsätzlich immer demselben Muster. Karte erkunden, Informationen sammeln, Ziel aufspüren und anschließend verhandeln oder schießen.
Zwar sorgen unterschiedliche Verhaltensweisen der Kopfgeldziele und die vier Bereiche des Skilltrees für etwas Abwechslung, langfristig wiederholen sich die Abläufe jedoch deutlich. Auch die zufällig erzeugten Karten verändern das Grundprinzip nur begrenzt. Spieler beschreiben das Spiel deshalb teilweise als bewusst kurze Erfahrung, die ihre Mechaniken bereits nach wenigen Stunden weitgehend gezeigt hat.
Ein Western für zwischendurch
Genau darin liegt letztlich die Stärke und Schwäche von „Bounty Trail“. Wer ein großes Western-RPG mit umfangreicher Geschichte, zahlreichen Nebenfiguren und freier Erkundung erwartet, wird enttäuscht sein. Das Spiel möchte vielmehr eine kleine, konzentrierte Kopfgeldjagd bieten.
Mit seinem minimalistischen Aufbau funktioniert das durchaus. Die vier Skillbereiche Geschwindigkeit, Wahrnehmung, Schießen und Verhandlung erlauben kleinere Spezialisierungen und geben den einzelnen Durchläufen etwas Entwicklung. Trotzdem hätte gerade das RPG-System noch deutlich mehr Tiefe vertragen können.



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