Ehrenwerte Affen
- Jana

- 11. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Der aus Vorarlberg stammende Michael Köhlmeier ist vor allem dafür bekannt, alte in eine moderne, zugängliche Sprache zu bringen. Seine Bearbeitungen und freien Erzählungen von Sagen, älterer Literatur oder Mythen haben ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht. Neben diesen Nacherzählungen schreibt er aber auch Romane und Kurzgeschichten, die oft gesellschaftskritisch, humorvoll oder melancholisch sind. Viele seiner Bücher beschäftigen sich mit Erinnerung, Geschichte, Moral und menschlichen Schwächen.
Siebzehn Erzählungen zwischen Märchen, Fabel und literarischem Experiment
In „Ehrenwerte Affen“ vereint Michael Köhlmeier siebzehn Kurzgeschichten, die sich stark an Märchen-, Fabel- und Sagenformen orientieren. Auf den ersten Blick wirken viele dieser Geschichten vertraut: Tiere sprechen, Könige handeln töricht, kleine Gesten haben große Folgen. Doch Köhlmeier nutzt diese vertraute Form nicht nur spielerisch, sondern auch als Experimentierfeld – und genau darin liegt sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Buches.
Poetische Sprache, aber nicht immer leicht zugänglich
Köhlmeier schreibt in einem ruhigen, fast altmodischen Erzählton, der eine besondere Atmosphäre schafft. Viele Geschichten entfalten durch ihre Schlichtheit eine unerwartete Tiefe. Doch gleichzeitig verlangt dieser Stil viel Geduld: Nicht immer ist klar, worauf eine Erzählung hinauswill, und manche enden so abrupt oder rätselhaft, dass man mit dem Gefühl zurückbleibt, etwas verpasst zu haben.Gerade Leserinnen und Leser, die klare Pointen oder eindeutige Moralbotschaften erwarten, könnten hier an Grenzen stoßen. Einige Erzählungen wirken eher wie Skizzen – literarisch interessant, aber nicht vollständig ausformuliert.
Zwischen brillanten Ideen und erzählerischen Leerstellen
Es gibt Geschichten in diesem Band, die sofort begeistern: weil sie klug oder anrührend sind, oder weil sie ein bekanntes Motiv überraschend neu interpretieren. Doch daneben stehen Erzählungen, die weniger zünden. Manche wirken konstruiert, als wäre die Idee stärker als die Ausführung; andere verlieren unterwegs an Spannung oder bleiben seltsam distanziert.Diese Unebenheit ist typisch für viele Kurzgeschichtensammlungen, aber bei „Ehrenwerte Affen“ fällt sie besonders auf, weil die stärksten Texte so kraftvoll sind, dass die schwächeren im direkten Vergleich blasser erscheinen.
Tiere als moralische Instanzen – manchmal pointiert, manchmal zu verklausuliert
Ein zentrales Element des Buches sind die Tiere, die hier häufig als Träger moralischer Fragen auftreten. Mal gelingt Köhlmeier das wunderbar: Eine tierische Figur spitzt eine menschliche Schwäche zu, entlarvt Machtmissbrauch oder stellt Gerechtigkeit in Frage.Doch nicht in jeder Geschichte funktioniert dieses Prinzip gleich gut. Manche Tierfiguren wirken schwer lesbar oder so symbolisch überfrachtet, dass der Sinn dahinter verschwimmt. Das führt dazu, dass einige Geschichten mehr rätselhaft als bereichernd wirken.
Für wen ist dieses Buch wirklich geeignet?
„Ehrenwerte Affen“ ist kein leichtes Märchenbuch, sondern ein literarisches Werk, das Lust am Deuten voraussetzt. Wer Freude daran hat, sich in symbolische Texte hineinzufühlen, wird hier viel entdecken. Es ist ein Buch, das man besser langsam liest – vielleicht ein oder zwei Geschichten auf einmal –, damit jede Erzählung Raum bekommt. Doch es ist auch ein Buch, bei dem man akzeptieren muss, dass nicht jede Geschichte gleich stark oder gleich zugänglich ist.
Mit „Ehrenwerte Affen“ beweist Michael Köhlmeier erneut sein großes Talent für Sprache und Erzähltradition. Einige der siebzehn Geschichten sind echte Glanzstücke: poetisch, überraschend, klug. Andere hingegen bleiben schwer greifbar oder verlieren sich in Andeutungen, die sich nicht vollständig erschließen. Wer sich auf die Mischung aus Märchenhaftigkeit und modernem Denken einlässt, wird bereichert herausgehen; wer klare, lineare Erzählungen erwartet, wird möglicherweise irritiert zurückbleiben.

Kraftvoll, aber nicht durchgehend überzeugend |
|---|





Kommentare